Die Strahlemann-Stiftung bringt bei ihrer Motorrad-Tour 190 Maschinen auf die Straße. Der Erlös in Höhe von 16 240 Euro fließt in ein Projekt zur Berufsorientierung junger Menschen.

Gut gelaunt kommen die Motorradfahrer am frühen Morgen bei Jäger direkt in Heppenheim an.

Gut gelaunt kommen die Motorradfahrer am frühen Morgen bei Jäger direkt in Heppenheim an. Foto: Dagmar Jährling

HEPPENHEIM – „Man sollte nicht schneller fahren, als man gucken kann.“ Werner Heinzelbecker hat das, was man getrost ein gerüttelt Maß an Erfahrung nennen kann. Der 80-Jährige hat 1954 den Führerschein gemacht und ist seitdem begeisterter Biker. Er war am Sonntag einer von 30 Guides bei der neunten Strahlemann Benefiz-Motorrad-Tour und wurde nach der Ankunft als ältester Teilnehmer geehrt.
Am Sonntagmorgen zwischen 8 und 9 Uhr kamen sie nach und nach aus allen Himmelsrichtungen zum Treffpunkt bei der Firma Jäger direkt im neuen Heppenheimer Gewerbegebiet: Motorräder soweit das Auge sehen konnte. Harleys, Rennmaschinen, Luxusmotorräder, antike Schmuckstückchen, so ziemlich alles war vertreten.
HOCHGESTECKTES ZIEL FÜR ZEHNTE AUFLAGE
20 Sponsoren – die meisten fuhren selbst mit – machten die Benefiz-Motorrad-Tour in diesem Jahr möglich. Am Ende gab’s Preise nicht nur für den ältesten Teilnehmer. Daniela Schugens wurde als die Bikerin ausgezeichnet, die die weiteste Anreise hatte: Sie war aus Duisburg an die Bergstraße gefahren. Die größte Gruppe stellten die Motorradfreunde Heppenheim mit 22 Teilnehmern, dicht gefolgt vom Motorsportclub Viernheim mit 19 Fahrern. Bei der zehnten Strahlemann-Tour im kommenden Jahr sollen 25 000 Euro zusammenkommen. Hintergrund: Der Kreis beteiligt sich ab 2019 zur Hälfte an den Kosten für die Talent Company, „damit alle Kinder einen Zugang zu Bildung und Ausbildung haben“ (Fischer). Die andere Hälfte soll durch die Benefiz-Aktion zusammenkommen. Sponsoren können sich ab sofort melden. Die Firmen, die teilweise händeringend Azubis suchen, sind schließlich auch Gewinner dieser Investition in die Zukunft. (rid)
VIELE BESTAUNEN RÜCKHER NACH HEPPENHEIM
Als es nach der Registrierung und einem Frühstück unter freiem Himmel losging auf die Tour nach Kahl am Main, waren es 190 Motorräder, die am Start waren und – da der ein oder andere einen Sozius mit an Bord hatte – 223 Teilnehmer. Sie alle fuhren nicht nur aus Spaß an der Freude mit, sondern auch, weil sie etwas Gutes tun wollten für die Strahlemann-Stiftung. Der Gesamterlös aus Startgeld und Spenden geht an die Talent Company der Stiftung, die sich die Verbesserung der Berufsorientierung an Schulen zur Aufgabe gemacht hat. Die Rechnung ging auch diesmal auf: 16 240 Euro hat die Benefiz-Aktion diesmal in die Kasse gebracht, wie Strahlemann-Gründer Franz-Josef Fischer am späten Nachmittag nach der Rückkehr im Biergarten des Halben Mondes verkündete.
Der Tross an glänzenden Maschinen machte sich freilich nicht als Ganzes auf den Weg, der unter anderem durch den Spessart führte. In zehn Gruppen war man unterwegs, die im Abstand von 15 Minuten starteten. Hauptorganisator war auch in diesem Jahr Jürgen Keil; gemeinsam mit den anderen Guides hat er sechs Wochen lang im Sattel gesessen und die Route ausgesucht. Oft bei 36 Grad. Am Sonntag herrschte dagegen ideales Motorradwetter, es war sonnig, trocken und nicht zu heiß. Noch am Vortag, so erinnert sich Guide Edgar Hörner vom Heppenheimer Stadtmarketing, sei man die Strecke im strömenden Regen abgefahren und habe in Kahl die pitschnassen Socken erst einmal trocknen müssen. Dort fand am Sonntag die Mittagspause bei der Firma Kopp statt, einem Zulieferbetrieb von Jäger direkt. Weißwurst, Obazda und Co. kamen gut an.
Zufällig kamen gegen 16 Uhr fast alle gleichzeitig in Heppenheim an. Ein beeindruckendes Defilee, das da von der Lehrstraße auf die B 3 abbog und von vielen bestaunt wurde. Alle waren zufrieden mit dem reibungslosen Verlauf. Auch Heinzelbecker. Wenn man ihn so sieht in seiner Kluft, wie er mit den Kollegen die Tour Revue passieren lässt, dann mag man ihm sein Alter nicht abnehmen. Im September unternimmt er mit seiner Frau Roswitha eine Motorradtour durch die Dolomiten. 12 000 Kilometer im Jahr legt er bis heute auf seinen drei Maschinen zurück. Man ist eben so jung, wie man sich fühlt. Das Motorradfahren, so ergänzt Roswitha Heinzebecker, fordere körperliche wie geistige Fitness.
Ein Kompliment gab’s vom Sitznachbarn, der auch im wirklichen Leben der Nachbar von Heinzelbecker in Hemsbach ist: Dr. Klaus Schollmeyer erzählte, dass ihm Heinzelbecker vor sieben Jahren, als er selbst mit dem Motorradfahren begonnen habe, nicht nur viele wertvolle Tipps nahegelegt, sondern auch praktische „Fahrstunden“ gegeben habe. „Mit ihm fühlt man sich sicher wie in Abrahams Schoß“, lachte er. Und: „Er hat mir das richtige Kurvenfahren beigebracht.“